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Wissen · Heizung

Wärmepumpe im Altbau: die Vorlauftemperatur entscheidet

Eine Wärmepumpe lohnt sich im Altbau, wenn die Heizkörper jeden Raum am kältesten Tag mit höchstens 55 °C Vorlauf warm bekommen. Darüber helfen größere Heizkörper, ein zweiter Erzeuger oder zuerst die Dämmung.

Stand September 2026 · 15 Minuten Lesezeit

Außengerät einer Wärmepumpe an der Fassade eines Wohnhauses neben einem leicht verschneiten GartenwegKI-generiertes Bild

Ob ein altes Haus mit einer Wärmepumpe warm wird, hängt an einer Temperatur: der, mit der das Heizwasser am kältesten Tag des Jahres in die Heizkörper fließen muss. Liegt sie niedrig, arbeitet die Wärmepumpe effizient, liegt sie hoch, bezahlen Sie die Differenz mit Strom. Hier steht, wie diese Temperatur entsteht, was Förderung und Gesetz verlangen und wann ich abrate.

Was die Wärmepumpe mit der Vorlauftemperatur zu tun hat

Eine Wärmepumpe entzieht der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser Wärme, hebt sie mit einem Verdichter an und gibt sie an das Heizwasser ab; der Strom treibt vor allem den Verdichter. Je größer der Abstand zwischen Quelle und Heizwasser, desto mehr Strom kostet jede Kilowattstunde Wärme.

Begriff

Vorlauftemperatur

Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Heizwasser vom Wärmeerzeuger zu den Heizkörpern oder in die Fußbodenheizung fließt. Was nach der Wärmeabgabe zum Erzeuger zurückkommt, heißt Rücklauf.

Diesen Zusammenhang bildet schon die Förderrichtlinie Bundesförderung für effiziente Gebäude, Einzelmaßnahmen (BEG EM) ab. Sie verlangt eine Mindesteffizienz ηs, einen genormten Jahreswert nach der Ökodesign-Richtlinie, und zwar bei zwei Vorlauftemperaturen: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe muss bei 35 °C mindestens 150 % erreichen, bei 55 °C nur 125 %; für Erdreich und Grundwasser gelten 180 und 140 %. Schon die Mindestwerte sinken also um ein Sechstel bis gut ein Fünftel.

Welche Vorlauftemperatur schafft eine Wärmepumpe effizient?

Effizient arbeitet eine Wärmepumpe im Bestand, wenn das Haus am kältesten Tag mit höchstens 55 °C Vorlauf warm wird; bei dieser Temperatur setzt auch die Förderrichtlinie ihre obere Messmarke für die Mindesteffizienz (BEG EM, Anlage TMA Nr. 3.4.2, Fassung vom 17.08.2026). Bis etwa 65 °C lässt sich die Lücke mit größeren Heizflächen oder einem zweiten Erzeuger schließen, darüber wird die Hülle zum wirksameren Hebel.

Der kälteste Tag ist ein Rechenwert: Für die Heizlast nach DIN EN 12831-1 und DIN/TS 12831-1 gilt je Standort eine Norm-Außentemperatur, für ein Haus im Dresdner Norden setzt meine Heizlastberechnung minus 13,8 °C an. An milderen Tagen fährt die Regelung an der Heizkurve entlang nach unten. Die Kurve habe ich für einen Heizkreis gerechnet, der am Auslegungstag 70/55 °C braucht, und für denselben Heizkreis mit Heizkörpern, die auf 55/45 °C vergrößert wurden.

Heizkurve eines Heizkreises vor und nach dem Heizkörpertausch

Vorlauf °C

Außentemperatur °C

  • Heizkörper für 70/55 °C
  • Heizkörper vergrößert auf 55/45 °C
Werte als Tabelle
Außentemperatur °CHeizkörper für 70/55 °CHeizkörper vergrößert auf 55/45 °C
-13,87055
-55948
05343
54638
103933

Quelle: Rechnung nach DIN EN 442 (Heizkörperexponent 1,3) und DIN EN 12831-1, Raum 20 °C, Norm-Außentemperatur -13,8 °C (Dresdner Norden)

Der Heizkreis mit 70 °C am Auslegungstag braucht bei minus 5 °C noch 59 °C, bei 0 °C 53 °C, bei plus 5 °C 46 °C und bei plus 10 °C 39 °C; unter 55 °C bleibt er oberhalb von etwa minus 2 °C. Ein hoher Wert am Auslegungstag schließt die Wärmepumpe also nicht aus, er entscheidet aber, ob sie an diesem Tag allein reicht. Mit vergrößerten Heizkörpern bleibt die Kurve durchgehend unter der Grenze: 48 °C bei minus 5 °C, 43 °C bei 0 °C, 38 °C bei plus 5 °C und 33 °C bei plus 10 °C.

Welche Linie für Ihr Haus gilt, steht auf keinem Typenschild; sie folgt aus der Heizlast jedes Raums und der Leistung seines Heizkörpers. Den Vorlauf am Auslegungstag ermittle ich mit Aufmaß und raumweiser Rechnung: Vorlauftemperatur in Ihrem Haus messen lassen.

Warum ein einzelner zu kleiner Heizkörper den Vorlauf vorgibt

Ein Heizkörper gibt mit kühlerem Wasser überproportional weniger Wärme ab. Seine Normleistung gilt nach DIN EN 442 für 75/65 °C bei 20 °C Raumtemperatur; umgerechnet wird mit der logarithmischen Übertemperatur und dem Heizkörperexponenten. Ich setze n = 1,3 an, der genaue Wert steht im Datenblatt.

Leistung eines Heizkörpers mit 1.000 W NormleistungW
  • bei 75/65 °C, Normpunkt1.000 W
  • bei 70/55 °C800 W
  • bei 65/50 °C680 W
  • bei 55/45 °C510 W
  • bei 45/35 °C300 W

Quelle: Umrechnung nach DIN EN 442 mit Heizkörperexponent n = 1,3, Raumtemperatur 20 °C

Rechenweg

Heizkörperleistung bei 55/45 °C
Übertemperatur am Normpunkt: (75 - 65) / ln((75 - 20) / (65 - 20))
49,8 K
Übertemperatur bei 55/45 °C: (55 - 45) / ln((55 - 20) / (45 - 20))
29,7 K
Leistungsfaktor: (29,7 / 49,8)^1,3
0,51
Heizkörper mit 1.000 W Normleistung
rund 510 W

Ein Heizkörper mit 1.000 W Normleistung liefert also bei 70/55 °C rund 800 W, bei 65/50 °C rund 680 W, bei 55/45 °C rund 510 W und bei 45/35 °C rund 300 W. Für dieselbe Wärme braucht er bei 55/45 °C rund 1,6-mal so viel Fläche wie bei 70/55 °C, gegenüber 65/50 °C nur rund 1,3-mal. Ein Drittel mehr passt oft als tieferer oder längerer Heizkörper an dieselbe Stelle. Nähert sich der Faktor dem Doppelten, senkt Dämmung die Heizlast wirksamer, als Heizkörper wachsen können.

Weil alle Heizkörper am selben Vorlauf hängen, muss die Temperatur für den Raum reichen, dessen Heizkörper im Verhältnis zu seiner Heizlast am kleinsten ist. Das zeigt eine Wohnung, deren Heizkörper ich einzeln aufgenommen und gerechnet habe, aus meinem Bericht, Zahlen gerundet. Die Raumheizlast ist dort mit einem vereinfachten Verfahren abgeschätzt, für diesen Standort mit minus 12,8 °C außen.

Praxisfall

Wohnung mit ungleich großen Heizkörpern
Gebäude
Mehrfamilienhaus, Baualtersklasse ab 1995, Dresdner Südosten
Wohnung
Erdgeschoss, rund 60 m²
Heizung
Gaszentralheizung mit einem Heizkreis
Norm-Außentemperatur
-12,8 °C
Ergebnis
65 °C Vorlauf am Auslegungstag, vorgegeben vom Schlafzimmer
Raum und HeizkörperRaumheizlastNormleistung 75/65 °CVerhältnisnötiger Vorlauf
Bad, Typ 22300 W1.290 W4,3unter 55 °C
Wohnzimmer, Typ 331.680 W2.510 W1,560 °C
Schlafzimmer, zweimal Typ 10880 W1.090 W1,265 °C
Küche mit Flur, Typ 10740 W410 W0,6über 100 °C

Typ 10 hat eine Platte, Typ 33 drei mit Konvektorblechen. Das Bad hat gut viermal so viel Heizkörper, wie es braucht, doch den Vorlauf geben die beiden Einplattenheizkörper im Schlafzimmer vor. Die Küche müsste rechnerisch den Flur ohne eigenen Heizkörper mitheizen und bräuchte dafür über 100 °C; warm wird sie im Alltag trotzdem, sagen die Bewohner, denn die Rechnung gilt für den Auslegungstag.

Im Bericht stehen deshalb zuerst ein hydraulischer Abgleich und Dreiplattenheizkörper statt der Einplattenheizkörper in Küche und Schlafzimmer. Danach kommt der ganze Heizstrang nach der Rechnung mit weniger als 55 °C aus, und erst dann lohnt es, eine Wärmepumpe neben dem Gaskessel durchzurechnen.

In Gebäuden ab sechs Wohnungen verlangt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), der Nachfolger des GEG, beim Einbau einer neuen Heizung ohnehin einen hydraulischen Abgleich, und zu ihm gehört eine Prüfung der Heizflächen im Hinblick auf eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur (§ 60c Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 2 GModG). In Häusern bis fünf Wohneinheiten fördert die BEG EM Niedertemperaturheizkörper als Heizungsoptimierung mit 15 % (Nr. 5.4 a und 8.4.1 d).

Merksatz

Heizkörper zuerst

Größere Heizkörper senken den Vorlauf für jeden Erzeuger, auch für den Kessel, der noch läuft. Ihr Einbau passt deshalb zu jeder Heizung, die später kommt.

Jahresarbeitszahl: vorher gerechnet, nachher gemessen

Begriff

Jahresarbeitszahl

Jahresarbeitszahl ist das Verhältnis der Wärme, die eine Wärmepumpe in einem Jahr abgibt, zum Strom, den sie dafür im selben Jahr aufnimmt. Eine Jahresarbeitszahl von 3,0 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 3 kWh Wärme.

Die BEG EM verlangt eine Auslegung auf mindestens 3,0, nachgewiesen nach VDI 4650 Blatt 1 mit den Vor- und Rücklauftemperaturen vor Ort (Anlage TMA Nr. 3.4.6 und 3.4.7, TFAQ 8.18). Soll eine Wärmepumpe allein mehr als 55 °C liefern, darf sie für diesen Nachweis wie eine bivalent-alternative Anlage mit elektrischem Zusatzheizer gerechnet werden. Der Heizstab zählt immer mit: Unterhalb des Bivalenzpunkts, ab dem die Wärmepumpe allein nicht mehr reicht, heizt er direkt mit Strom und drückt die Jahresarbeitszahl (TFAQ 8.07 und 8.18).

Nach dem ersten Winter lässt sich die Zahl prüfen, denn eine geförderte Wärmepumpe muss Strom und Wärme messen und eine Effizienzanzeige haben (Anlage TMA Nr. 3.1). In Gebäuden ab sechs Wohnungen brauchen Wärmepumpen, die seit dem 1. Januar 2024 eingebaut wurden, nach einer vollständigen Heizperiode, spätestens zwei Jahre nach Inbetriebnahme, eine Betriebsprüfung (§ 60a Abs. 1 GModG). Zu ihr gehört ausdrücklich:

die messtechnische Auswertung der Jahresarbeitszahl und bei größeren Abweichungen von der erwarteten Jahresarbeitszahl Empfehlungen zur Verbesserung der Effizienz durch Maßnahmen an der Heizungsanlage, der Heizverteilung, dem Verhalten oder der Gebäudehülle

§ 60a Abs. 2 Nr. 4 GModG

Luft-Luft- und Warmwasser-Wärmepumpen sind davon ausgenommen (§ 60a Abs. 1 Satz 2). Eine zusätzliche Heizungsprüfung nach § 60b braucht eine Wärmepumpe mit Betriebsprüfung nicht; Wärmepumpen, die nach September 2009 eingebaut wurden, erfasst sie ohnehin nicht (§ 60b Abs. 1 und 7 GModG).

Lohnt sich der Umstieg von Gas auf die Wärmepumpe?

Im Betrieb lohnt sich der Umstieg, sobald die Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe über dem Verhältnis von Strom- zu Gaspreis je Kilowattstunde liegt, genauer über diesem Verhältnis mal dem Nutzungsgrad des alten Kessels; für die Auslegung setzt die Förderrichtlinie 3,0 als Untergrenze (BEG EM, Anlage TMA Nr. 3.4.6, Fassung vom 17.08.2026).

Rechenweg

Wann die Wärmepumpe im Betrieb günstiger heizt
Wärme, die das Haus braucht
1 kWh
Gas im alten Kessel mit Nutzungsgrad η
1 / η kWh
Strom in der Wärmepumpe
1 / JAZ kWh
Wärmepumpe günstiger, wenn
Strompreis / JAZ < Gaspreis / η
Bedingung
JAZ > (Strompreis / Gaspreis) · η

Bei der Mindest-Jahresarbeitszahl von 3,0 heizt die Wärmepumpe also günstiger, solange Strom je Kilowattstunde weniger als dreimal so viel kostet wie Gas; die Verluste des alten Kessels schieben die Grenze noch nach oben. Je niedriger der Vorlauf, desto höher die Jahresarbeitszahl und desto mehr Abstand bleibt, wenn Strom teurer wird.

Ob sich auch der Kauf trägt, hängt am Zustand des alten Kessels, an den Heizkörpern und am Zuschuss, den der Förderrechner für Ihren Fall zeigt. Nur Wärmepumpen betrifft diese Regel: Ab dem ersten Quartal 2027 sinkt ihre Grundförderung von 30 auf 15 %, dafür kommen 15 Prozentpunkte Wertschöpfungs-Bonus hinzu, wenn die Wärmepumpe ihren Ursprung in der EU hat (BEG EM Nr. 8.4.1 c und 8.4.6). Brennwertkessel, Hybrid und Wärmepumpe an einem echten Haus gegeneinander gerechnet finden Sie im Praxisbericht aus einem Gründerzeithaus mit drei Wohnungen.

Luft, Sole oder Wasser: welche Bauart wohin passt

Die Bauarten unterscheiden sich nach ihrer Quelle; je wärmer sie im Winter bleibt, desto kleiner ist der Hub bis zum Vorlauf. Gefördert wird nur ein Gerät aus der Wärmeerzeugerliste des BAFA (Anlage TMA Nr. 3.1).

BauartWärmequellePasst, wennMindesteffizienz BEG EM
Luft-WasserAußenluftein Aufstellplatz mit Abstand zu Schlafräumen frei istηs 150 % bei 35 °C, 125 % bei 55 °C
Sole-WasserErdreich über Sonden oder Flächenkollektorengebohrt werden darf oder der Garten für Kollektoren reichtηs 180 % bei 35 °C, 140 % bei 55 °C
Wasser-WasserGrundwasser über Förder- und SchluckbrunnenGrundwasser erreichbar ist und entnommen werden darfηs 180 % bei 35 °C, 140 % bei 55 °C
Luft-LuftAußenluft, erwärmt direkt die Raumlufteinzelne Räume ohne Heizkörper warm werden sollenbis 12 kW: ηs 181 %, Klasse A++ oder A+++

Für eine neue Erdwärmesonde muss die Bohrfirma nach DVGW W 120-2 zertifiziert und die Bohrung verschuldensunabhängig versichert sein, sonst gibt es keinen Zuschuss (Anlage TMA Nr. 3.4.6, TFAQ 8.19); was vor Ort erlaubt ist, steht im Beitrag Erdwärme in Dresden. Für alle Bauarten gilt: Ab dem 1. Januar 2028 gibt es den Zuschuss nur noch für Geräte mit natürlichem Kältemittel wie Propan, R290 (Anlage TMA Nr. 3.4.4). Weil Propan brennt, planen Sie bei großen Geräten die Sicherheitsabstände schon bei der Wahl des Aufstellorts ein.

Hybridheizung: Wärmepumpe mit zweitem Erzeuger

In der Heizkurve oben braucht der Heizkreis mit 70/55 °C nur unterhalb von etwa minus 2 °C mehr als 55 °C. Diese Linie nutzt eine Hybridheizung: Darüber heizt die Wärmepumpe allein, darunter übernimmt ein Kessel (bivalent alternativ) oder heizt mit (bivalent parallel). Das GModG nennt die Wärmepumpen-Hybridheizung ausdrücklich als Option beim Heizungstausch (§ 42 Abs. 2 Nr. 5 GModG). Sie passt, wenn der Kessel noch gut ist und die Dämmung in den nächsten Jahren ohnehin kommt; sinkt danach die Heizlast, kann die Wärmepumpe allein übernehmen.

Einen Zuschuss für die Wärmepumpe einer Hybridheizung gibt es nur, wenn die Wohnungen, die sie versorgt, danach zu mindestens 65 % mit erneuerbarer Energie warm werden (Anlage TMA Nr. 3.1), obwohl die 65-Prozent-Regel des § 71 GEG im GModG weggefallen ist. Das Gesetz stellt auf die Leistung ab: Bringt die Wärmepumpe im Teillastpunkt A nach DIN EN 14825, also bei minus 7 °C Außentemperatur (TFAQ 8.14), mindestens 30 % der Leistung des Spitzenlasterzeugers, im bivalent alternativen Betrieb 40 %, gilt die Pflicht als erfüllt, die für einen neuen Gas- oder Ölkessel ab 2029 einen Mindestanteil aus Biomethan, biogenen Brennstoffen oder Wasserstoff verlangt (§ 43 Abs. 1 und 5 GModG).

Den Klimageschwindigkeits-Bonus kostet der zweite Erzeuger in der Regel, denn nach dem Tausch dürfen keine fossilen oder mit Gas betriebenen Heizungen mehr die Wohnungen versorgen (BEG EM Nr. 8.4.4). Ausgenommen ist nach den Technischen FAQ nur ein Spitzenlastkessel, der mit 100 % grünem oder blauem Wasserstoff läuft oder darauf umrüstbar ist, oder einer, der zu 100 % mit Biomethan betrieben wird. Sonst fördert die BEG EM den Kostenanteil der Wärmepumpe ohne diesen Bonus; bei Kompaktgeräten mit beiden Erzeugern in einem Gehäuse setzt sie dafür 65 % der Kosten an (Nr. 5.3 c, TFAQ 8.12).

Wann ich von der Wärmepumpe abrate

In vier Fällen rate ich ab oder zum Warten:

  • Am Auslegungstag sind deutlich über 65 °C nötig, und es ist weder ein Heizkörpertausch noch eine Dämmung geplant. Schon bei 65 °C war in der Wohnung aus dem Praxisfall eine Jahresarbeitszahl von 3,0 voraussichtlich nicht zu halten.
  • Ein Baudenkmal erlaubt weder Dämmung noch größere Heizkörper. Dann rechne ich Pellets, Hackschnitzel oder Scheitholz oder eine Hybridlösung.
  • Das Angebot übernimmt die Leistung des alten Kessels, ohne raumweise Heizlast nach DIN EN 12831, die die Förderung verlangt (Anlage TMA Nr. 3.1). Eine zu große Wärmepumpe taktet und verliert Effizienz.
  • Das Grundstück soll nach einer kommunalen Entscheidung, etwa einer Satzung oder einem Anschluss- und Benutzungszwang, an ein Wärmenetz. Dann fördert die BEG EM nur den Netzanschluss, keine eigene Wärmepumpe (Anlage TMA Nr. 3.1).

Häufige Fragen

Braucht eine Wärmepumpe eine Fußbodenheizung?

Nein. Heizkörper reichen, wenn sie jeden Raum am Auslegungstag mit höchstens 55 °C warm bekommen. Eine Fußbodenheizung kommt mit noch weniger aus und hebt die Jahresarbeitszahl, im bewohnten Bestand ist ihr Einbau aber ein großer Eingriff. Oft genügt es, die wenigen zu kleinen Heizkörper zu tauschen.

Wie groß muss die Wärmepumpe sein?

So groß, wie es die raumweise Heizlast nach DIN EN 12831-1 und DIN/TS 12831-1 verlangt, nicht so groß wie der alte Kessel; die Förderung setzt diese Rechnung voraus (Anlage TMA Nr. 3.1, TFAQ 8.05). Mit Heizstab darf sie am Auslegungstag kleiner sein, wenn der Bivalenzpunkt in die Jahresarbeitszahl eingeht (TFAQ 8.07). Den Rechenweg Raum für Raum finden Sie unter Heizlast berechnen.

Wie laut darf das Außengerät sein?

Für die Förderung muss das Außengerät einer Luft-Wasser-Wärmepumpe mindestens 10 dB leiser sein als die Grenzwerte der Ökodesign-Verordnung (EU) Nr. 813/2013 (BEG EM, Anlage TMA Nr. 3.4.5). Wie laut es beim Nachbarn ankommt, entscheidet der Aufstellort: Eine Wand direkt dahinter wirft den Schall zurück und macht das Gerät lauter, eine Ecke noch mehr, und ein Schlafzimmerfenster gegenüber ist der ungünstigste Platz.

Wird auch eine Split-Klimaanlage mit Heizfunktion gefördert?

Ja, als Luft-Luft-Wärmepumpe, wenn sie überwiegend heizt, auch als Ergänzung einer bestehenden Heizung; der Bereich, den sie versorgt, muss danach zu mindestens 65 % erneuerbar beheizt werden (TFAQ 8.21, Anlage TMA Nr. 3.1). Bis 12 kW Heizleistung muss sie mindestens ηs 181 % und die Klasse A++ oder A+++ erreichen (Anlage TMA Nr. 3.4.2); eine Jahresarbeitszahl ist für sie nicht nachzuweisen (TFAQ 8.18). Heizkörper und Warmwasser versorgt sie nicht, sie wärmt nur die Raumluft.

Quellen und Fundstellen

  1. Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG): § 42 Abs. 2 Nr. 5 (Wärmepumpen-Hybridheizung), § 43 Abs. 1 und 5 (Gas- und Ölheizungen, Einbau nach dem 29.07.2026, Mindestanteil ab 2029; Hybrid 30 und 40 % der Leistung des Spitzenlasterzeugers im Teillastpunkt A), § 60a Abs. 1 und 2 Nr. 4 (Betriebsprüfung von Wärmepumpen ab sechs Wohnungen, Einbau nach dem 31.12.2023, Luft-Luft und Warmwasser ausgenommen, Jahresarbeitszahl), § 60b Abs. 1 und 7 (Wärmepumpen ausgenommen), § 60c Abs. 1 und 2 (hydraulischer Abgleich, Heizflächen, möglichst niedrige Vorlauftemperatur); § 71 weggefallen
  2. Richtlinie BEG EM, Fassung vom 17.08.2026: Nr. 5.3 c (bivalente Geräte), 5.4 a (Niedertemperaturheizkörper), 8.4.1 c und d (30 %, ab Quartal 1 2027 15 %, Optimierung 15 %), 8.4.4 (Klimageschwindigkeits-Bonus), 8.4.6 (Wertschöpfungs-Bonus 15 Prozentpunkte); Anlage TMA Nr. 3.1 (65 %, überwiegend Raumheizung, raumweise Heizlast, Messung, Effizienzanzeige, Wärmeerzeugerliste, Wärmenetz), 3.4.2 (ηs 150/125 % und 180/140 %, Beheizung über Luft bis 12 kW 181 % und A++ oder A+++), 3.4.4 (natürliche Kältemittel ab 1. Januar 2028, R290), 3.4.5 (10 dB), 3.4.6 (Jahresarbeitszahl 3,0, DVGW W 120-2, verschuldensunabhängige Versicherung), 3.4.7 (VDI 4650 Blatt 1); lokale Vorabfassung vom Juli 2026
  3. Technische FAQ BEG EM, Version 7.0 (06/2026): Nr. 8.05 und 8.07 (Heizlast, Heizstab, Bivalenzpunkt), 8.12 (Klimageschwindigkeits-Bonus bei Hybrid, Wasserstoff und Biomethan, Kompaktgeräte 65 %), 8.14 (Teillastpunkt A bei -7 °C), 8.18 (Jahresarbeitszahl nach VDI 4650 mit Vor- und Rücklauf vor Ort, über 55 °C bivalent-alternativ, Luft-Luft ohne JAZ), 8.19 (neue Erdwärmesonden), 8.21 (Luft-Luft, Split-Klimaanlagen, 65 %)
  4. BAFA, Wärmeerzeugerliste Wärmepumpen
  5. DIN EN 12831-1:2017-09 mit DIN/TS 12831-1:2020-04, Heizlast und Norm-Außentemperatur (-13,8 °C im Dresdner Norden, wie in meiner Heizlastberechnung für das Gründerzeithaus aus dem Praxisbericht angesetzt)
  6. DIN EN 442-2, Heizkörper und Konvektoren: Normwärmeleistung bei 75/65/20 °C, Heizkörperexponent
  7. DIN EN 14825, Teillastpunkt A; VDI 4650 Blatt 1:2019-03, Berechnung der Jahresarbeitszahl; Verordnung (EU) Nr. 813/2013 (Ökodesign)
  8. Eigener Bericht zur Wärmepumpeneignung, Mehrfamilienhaus der Baualtersklasse ab 1995, Juli 2026: Raumheizlast vereinfacht abgeschätzt (Optimus-Studie), Norm-Außentemperatur -12,8 °C, Normleistung und nötige Vorlauftemperatur je Heizkörper, Jahresarbeitszahl bei 65 °C, Empfehlungen (Abgleich, Tausch der Einplattenheizkörper, Hybrid prüfen); Objekt und Namen weggelassen, Zahlen gerundet

Stand: September 2026. Heizkörperleistung Q = QN · (ΔT / 49,8 K)^1,3 mit der logarithmischen Übertemperatur ΔT = (Vorlauf - Rücklauf) / ln((Vorlauf - 20 °C) / (Rücklauf - 20 °C)); Heizkurve bei konstantem Volumenstrom, Heizlast linear zwischen 20 °C und -13,8 °C, ohne innere und solare Gewinne; die Kurve für 70/55 °C schneidet 55 °C bei -1,7 °C; Werte gerundet.

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